Bodenrichtwerte zur Jahresmitte: Die Halbjahresbilanz 2026 der Bundesländer
Nach dem starken Jahresauftakt hat sich der Anstieg der Bodenrichtwerte im zweiten Quartal leicht abgekühlt. Die Schere zwischen wachsenden Ost-Regionen und konsolidierenden Top-7-Städten öffnet sich weiter.
Zur Jahresmitte 2026 liegt der durchschnittliche Bodenrichtwert für Wohnbauland in Deutschland bei 251 Euro je Quadratmeter — ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach dem kräftigen ersten Quartal (+4,2 Prozent) hat sich die Dynamik damit leicht abgeschwächt, bleibt aber klar positiv.
Die Gewinner: B-Städte und ostdeutsche Wachstumsregionen
Angeführt wird das Feld erneut vom Leipziger Umland mit +9,7 Prozent, gefolgt von den Speckgürteln um Erfurt, Magdeburg und Dresden mit Zuwächsen zwischen 6 und 8 Prozent. Das Muster ist seit 2024 stabil: Dort, wo Bauland noch unter 200 Euro je Quadratmeter kostet und gleichzeitig Arbeitsplätze entstehen — Stichwort Ansiedlungen in der Halbleiter- und Batterieindustrie —, holen die Bodenwerte strukturell auf.
Die Konsolidierer: Top-7 weiter im Seitwärtsgang
München verzeichnet mit −1,9 Prozent das dritte rückläufige Halbjahr in Folge, allerdings mit abnehmender Tendenz — 2024 lag das Minus noch bei 17 Prozent. Hamburg (−0,8 Prozent) und Frankfurt (−0,4 Prozent) bewegen sich praktisch seitwärts. Berlin hält sich mit +2,1 Prozent leicht im Plus. Die Gutachterausschüsse sprechen übereinstimmend von einer Bodenbildung auf hohem Niveau: Die Korrektur der Boomjahre läuft aus, ein neuer Aufschwung ist in den Spitzenlagen aber noch nicht erkennbar.
„Die Preisfindung in den Metropolen ist weitgehend abgeschlossen. Was jetzt zählt, ist die Zinsseite — und die spricht eher für als gegen Bauland."
Sonderfall ländlicher Raum
Abseits der Wachstumskorridore bleibt das Bild verhalten: In rund einem Drittel der Landkreise stagnieren die Richtwerte nominal, was real einem leichten Wertverlust entspricht. Besonders betroffen sind periphere Lagen ohne Schienenanbindung. Die Spanne zwischen dem teuersten und dem günstigsten Wohnbauland-Segment Deutschlands liegt weiterhin beim etwa 45-Fachen.
Ausblick auf das zweite Halbjahr
Drei Faktoren dürften die zweite Jahreshälfte prägen: Erstens die erwartete weitere Zinssenkung der EZB, die Finanzierungen verbilligt und die Nachfrage nach Bauland stützt. Zweitens die anziehenden Baugenehmigungen (+11 Prozent im Jahr 2025), die sich mit üblicher Verzögerung in Grundstückskäufen niederschlagen. Drittens die turnusmäßige Neubewertung in mehreren Bundesländern zum Stichtag 1. Januar 2027, vor der Gutachterausschüsse erfahrungsgemäß bereits im Herbst Marktanpassungen vorwegnehmen. In Summe spricht das für eine Fortsetzung des moderaten Aufwärtstrends — mit regional sehr unterschiedlichem Tempo.
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